Schenken zu Weihnachten?

Man will ja auch mal über was anderes als Stricken reden ;-)
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Michaela
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Schenken zu Weihnachten?

Beitrag von Michaela » Mo Dez 04, 2017 14:49

Liebe Mitglieder,

ich bin sicher, die meisten von euch sind (wie ich :oops: ) am Handarbeiten für das Fest. Für den Fall, dass manche rätseln, was gemeint ist, und sich hinterher beklagen, die Aktion sei wieder so urplötzlich vor der Tür gestanden: es handelt sich um Weihnachten.

Ich selber bin wieder mal fein raus: zum Geschenke-Schlagabtausch an Heiligabend und an den Feiertagen bis zum Jahresende bin ich an einem großen Kongress, bei dem wir immer schon im Vorfeld organisierend mitwirken. Daher müssen die Gaben für Nichten und Neffen schon bald versandt werden.

Das Geschenke-Verteilen lasse ich mir dennoch nicht nehmen: unsere Gemeinde verschenkt an Bedürftige (Senioren, Kinder, Familien, Obdachlose) Pakete und Gutscheine. Das Geld für die Pakete und die Gutscheine (zum Beispiel für gute Winterschuhe) stammt aus Spenden und geht 1 zu 1 an die Empfängerinnen und Empfänger. Ich darf beim Packen und beim persönlichen Verteilen mitwirken.
Man sieht den Beschenkten an, dass man nichts Überflüssiges übergibt. Oft wird man zu einem Getränk eingeladen und erfährt noch so allerhand. Das Annehmen der Einladung ist wichtig für beide Parteien: es hat mit Würde zu tun. Die Beschenkten nehmen keine Almosen entgegen, sondern geben ihrerseits etwas. Ihr könnt mir glauben: die Geschenkvergabe ist nicht nur eitel Freude und Sonnenschein, sich so manche Lebensgeschichte anzuhören oder Beschwerden kann ganz schön zehren. Man gibt also auch etwas von sich und nicht nur von Geld Gekauftes.
Ja, mir ist schon klar, dass ein Heiligabend in der Familie auch nicht immer harmonisch ist. Das Leben ist halt kein Ponyschlecken und ich bin kein Tugendbold.

Da kommt mir aber Ludwig Burgdörfer in den Blick. Über seine Tätigkeit und seine Bücher verlinke ich unten.
Von ihm als Urheber habe ich die schriftliche Genehmigung, sein Gedicht hier zeigen zu dürfen.
Ludwig Burgdoerfer.jpg
Ludwig Burgdoerfer.jpg (89.92 KiB) 1312 mal betrachtet
Für diejenigen, die Ludwig Burgdörfer, eigentlich Dr. Burgdörfer nicht kennen: er spricht öfter im Südwestrundfunk. Wer noch nichts Zeigefingerfreies von ihm gehört hat, kann hier nachlesen.

Das Gedicht stammt aus dem Buch "Erst eilig, dann heilig", es kann neben vielen anderen seiner Schriften im Brunnen-Verlaggekauft werden.
Viele Grüße - Michaela
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Die Reife eines Menschen zeigt sich am deutlichsten an dem Dienst, den er in der Gemeinschaft leistet (Pedro Arrupe)

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Re: Schenken zu Weihnachten?

Beitrag von Annette 1965 » Mo Dez 04, 2017 22:39

Guten Abend!

Das ist ja ziemlich düster, was dem Autor zum Thema Schenken einfällt. (Ein Gedicht, nebenbei gesagt, ist das nicht.)
Wir fragen einander nach Wünschen, und die werden dann auch erfüllt, und alle sind froh und zufrieden.

Beste Grüße von Annette

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Re: Schenken zu Weihnachten?

Beitrag von Mallory » Di Dez 05, 2017 12:41

Unsere beiden Töchter sind Berufsanfänger, zahlen hohe MIeten für kleine Stadtwohnungen und haben entsprechend schmale Geldbeutel, deshalb sind solche Anlässe wie Weihnachten und Geburtstag eine schöne Gelegenheit, einmal etwas zu schenken, was "eigentlich unnötig" ist, aber einfach Freude bereitet. Wie Schmuck, ausgefallene Kleidung, etwas Nettes für die Wohnung, Sportartikel und anderes.

Für ältere Leute, die sich eigentlich alles, was sie unbedingt haben möchten, selbst kaufen, ist es schwieriger mit dem Schenken. Da habe ich die Erfahrung gemacht, dass oft ein Gutschein für eine gemeinsame Unternehmung am besten ankommt.

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Re: Schenken zu Weihnachten?

Beitrag von mfischer » Mi Dez 06, 2017 07:56

Guten Morgen Annette,
du schreibst „Ein Gedicht, nebenbei gesagt, ist das nicht“
Warum nicht?
Ich finde, es ist ein satirisches Gedicht in freiem Rhythmus, das sprachlich-stilistisch gut gestaltet ist. Inhaltlich provoziert es ganz bewusst durch Übertreibungen und Aufzeigen anderer als der gewohnten Perspektiven.
Das ist nicht grundsätzlich „Geschenke verurteilend“ gemeint, sondern hinterfragt nur bestimmte und leider allzu häufig verbreitete Schenkgewohnheiten, die quasi zwanghaft vollzogen werden. Im übrigen vermitteln die Wortspiele mit „Geschenk“ und „schenken“ einen herrlich hintergründigen Humor und nehmen so den Aussagen genauso die Schärfe wie das Einbeziehen des Sprechers des Gedichts in ein „Wir“.
Ritualisiertes Schenken gab und gibt es in allen Gesellschaften und zu allen Zeiten. (Lang istˋs her, da habe ich das mal im Nibelungenlied untersucht. Da MUSSTE geschenkt und wiedergeschenkt werden.)

Danke für das Geschenk dieses Beitrags, Michaela!

Margrit (immer noch überlegend, was sie wem zu Weihnachten schenken soll)

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Re: Schenken zu Weihnachten?

Beitrag von jadyn » Mi Dez 06, 2017 09:20

In unserer Familie ist es üblich nur zu schenken, wenn man ein Gechenk hat, daß der Beschenkte sich alleine nicht kaufen würde, aber gerne haben möchte....Für die Enkelkinder machen es noch die Eltern, oder wir gehen mit ihnen einkaufen....So ist es für alle sehr entspannt....
In diesem Jahr würde ich den Enkeln gerne Socken schenken, da ich meine Maschine aus dem Dornröschenschlaf geholt habe......brauch ich aber nicht....der Weihnachtsmann bringt jedes Jahr ein Paar.
So bleibt Weihnachten ein Fest mit freudigen Kinderaugen ohne vorherigen Einkaufsstreß,ohne Umtauschaktionen u.ä.....und niemand bekommt die dritte Flasche Parfum....Dafür gehen wir gemeinsam ins Theater oder ein Konzert...oder auch nicht...
Aber jede Familie hält das anders....da wir aber nun die "Bestimmer" sind...haben wir es langsam so durchgesetzt.
Liebe Grüße
Jadyn

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Re: Schenken zu Weihnachten?

Beitrag von Annette 1965 » Mi Dez 06, 2017 17:11

mfischer hat geschrieben:
Mi Dez 06, 2017 07:56
Guten Morgen Annette,
du schreibst „Ein Gedicht, nebenbei gesagt, ist das nicht“
Warum nicht?
Weil es nicht dicht/verdichtet/prosaisch breit (z.B. "Jedenfalls, uns schien es durchaus einmal angebracht zu sagen" oder "Aber es funktioniert immer wieder" oder "Merken Sie sich das, fürs nächste Mal") ist und dadurch keinen poetischen Klang hat, den auch ein Gedicht in freien Rhythmen haben kann.
Der Text erinnert mich übrigens vom Stil her an Hagen Rethers Texte, die er zum Klavier vorträgt.

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Re: Schenken zu Weihnachten?

Beitrag von mfischer » Fr Dez 08, 2017 07:24

Hallo Annette,
danke für deine Antwort!
Ja, nach diesen enggefassten Kriterien ist der Text dann tatsächlich kein „Gedicht“.
Ich würde ihn der ( Brechtˋschen) epischen Gebrauchslyrik mit dokumentarischem Charakter zuordnen. Statt poetischem Klang ist Missklang intendiert und das mag einen schon stören. Dieser Text wirkt genauso ernüchternd wie Brechts „Glotzt nicht so romantisch!“
Solche Texte sind aber nicht böse, sondern eben aufrüttelnd und zum Nachdenken anregend gemeint.
LG
Margrit

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