Ein Filzhut - Arbeitsschritte bis zur Fertigstellung

Man will ja auch mal über was anderes als Stricken reden ;-)
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Dagmar
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Ein Filzhut - Arbeitsschritte bis zur Fertigstellung

Beitrag von Dagmar » So Jul 04, 2010 14:53

Hallo zusammen!

So entsteht ein Filzhut in Nass-Filz-Technik:

Bild 1: Je 3 Lagen Bergschaf für Unterteil + 3 für das Oberteil in verschiedenen Kämmrichtungen, sonst hält es nicht zusammen. Gewicht zusammen 110 g.

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Bild 2: Einarbeitung der Schablone in Unterteil und Oberteil, dabei müssen die Kanten gut verarbeitet werden. Dazu benötigt man Seifenlauge. Für das ganze Objekt braucht man ca. 1 Liter Seifenlauge (ich zumindest). Alles was drüber ist, gibt nur wassergeplansche/sauerei (Ratet mal woher ich das weiß? grins).

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Bild 3: Das Oberteil und das Unterteil sind zusammengefügt.

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Bild 4. Das Ganze wird nun mit Seifenlauge angefeuchtet/durchtränkt und die Ränder extra noch Schmierseife dünn eingeschmiert, damit sich die Fasern an den Rändern gut zusammenfilzen, Das wird auf beiden Seiten gemacht und jetzt muss Ausdauer und Muskelkraft eingesetzt werden.

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Bild 5: Durch das Auflegen der Gardine wird beim reiben der Filzvorgang verstärkt. Es wirkt ähnlich wie die schwarze Filzmatte unter dem Objekt. Einfach, damit es schneller filzt.

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Bild 6: Hier habe ich jetzt den Hut schon einige Zeit bearbeitet (unter anderem mit kochendem Wasser übergossen), das Wollvlies ist geschrumpft/gefilzt und der Schablone wird es jetzt zu eng in ihrem Mäntelchen.

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Bild 7: Darum wird der Hut jetzt an der Krempenseite aufgeschnitten und die Schablone entfernt. Damit innen und außen gleich gut gefilzt ist, wird die Innenseite nach außen gedreht und weiter gefilzt. Dabei wird auch der Rand für die Hutkrempe nochmals extra gut bearbeitet mit Schmierseife, Wasser, Muskelkraft und Ausdauer, damit sich die Fasern am Rand/Schnitt gut verbinden und sich nicht ablösen.

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Bild 8: So sieht er aus bevor er weiter über den Leisten gefilzt wird.

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Bild 9: Der Hutleisten/die Hutform

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Bild 10:Nach der weiteren Bearbeitung, einigen Litern kochendem Wasser und zur Abkühlung danach kaltem Essigwasser. Jetzt liegt er in der Duschwanne, auf einem Kuchengitter, zum Abtropfen. Wenn er nicht mehr trieft, wird er noch mit dem Dampfbügeleisen und Sprühstärke, in noch feuchtem Zustand, bearbeitet. Zum Schluss wird noch der Hutrand in Form geschnitten (das ist für mich die schlimmste Arbeit).

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Die Bearbeitung vom reißen der Wolle in Form – bis zum Abtropfen in der Duschwanne hat ca. 4 Stunden gedauert. Die Bearbeitung mit dem Dampfbügeleisen, das Schneiden des Hutrandes und das Annähen des Hutbandes dauern noch mal ca. 1 Stunde.

Bild 11: Heute ist er soweit abgetropft, dass ich ihn mit dem Dampfbügeleisen und etwas Sprühstärke, zur Standfestigkeit der Hutkrämpe, bearbeitet habe. Jetzt muss der Hut noch abkühlen und trocknen.

BildBild

Bild 12+13+14: Ich habe bei dem Hut die Krempe gleichmäßig geschnitten und das Hutband befestigt.

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Bild

Jetzt wird der Krempenrand, weil er doch ein wenig dick ist und damit sich die Fasern auch nicht lösen (siehe Bild 13), nochmal nass gemacht und gefilzt. Wenn es gefilzt ist werde ich nochmal Sprühstärke drauf geben und dämpfen.

Ich hoffe, es hat euch interessiert!

LG Dagmar
Zuletzt geändert von Dagmar am Mi Jul 07, 2010 09:01, insgesamt 4-mal geändert.
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frieda
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Beitrag von frieda » So Jul 04, 2010 15:58

Also ich fand es ganz spannend, obwohl ich das schon mal selber gemacht habe.

Grüßlis,

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Beitrag von Knackendöffel Maren » So Jul 04, 2010 19:45

Hallo Dagmar,
abgesehen davon, dass es im Moment wegen der Wärme fast schon Masochismus ist mit Wolle und kochendem Wasser zu arbeiten, finde ich Deine Erklärung der Arbeitsschritte auch spannend.
Allerdings stricke ich lieber.
Viele Grüße von Maren
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Wolljunkie

Beitrag von Wolljunkie » Mo Jul 05, 2010 06:56

sehr cool, vielen Dank!

felidaehh

Beitrag von felidaehh » Mo Jul 05, 2010 10:34

*vollerbewunderungbin*
Mir schoss auch als erstes durch den Kopf: Und das bei der Hitze!!!

Wow!

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Beitrag von Dagmar » Mo Jul 05, 2010 11:24

Hallo zusammen,

vielen Dank für die positiven Reaktionen!

Wie ihr oben sehen könnt, habe ich den Hut heute weiter bearbeitet. Jetzt muss er gut austrocknen, bis ich die Krempe schneiden kann. Vielleicht hat ja jemand von euch, die auch schneidern, einen Tipp, wie ich das am geschicktesten mache, damit die Krempe gleichmäßig wird. Beim letzten Hut habe ich mit dem Zollstock gearbeitet und in gleichmäßigem Abstand Stecknadeln gesetzt. War aber nicht so prickelnd, vor allem beim Schneiden. Die Hutmacherin, von der ich die Leisten bekommen habe meinte, ich soll mit der Nähmaschine, ganz kleine Stiche, den Kranz abnähen und durch die kleine Stichlänge, kann ich den überstehenden Filz abreißen, ähnlich wie wie bei einem pervorierten Rand. Trau ich mich aber nicht! Ich habs nicht so mit dem Nähen.

@ felidaehh & Maren

Es war schon ganz schön warm..., stimmt! Jetzt kann ich sagen: Im Schweiße meines Angesichts ist der Hut entstanden" grins.

Zum Thema Stricken, fällt mir im Moment nicht so viel ein. Ich würde gerne stricken aber hab im Moment keine Idee, was es werden/sein könnte. Alles was mir auf den ersten Blick gefällt, verwerfe ich auf den 2. Blick wieder, nachdem ich ein Stück gestrickt habe. Ich habe sogar schon eine Mütze aus 2 Restknäulen Wolle gemacht, obwohl ich solche Kleinteile nicht mag.

LG Dagmar
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Beitrag von frieda » Mo Jul 05, 2010 12:17

Kannst Du für die Krempe nicht eine Schablone machen (vielleicht aus dünner Pappe oder dickerem Papier), die Du über den Hut stülpst (also die in der Mitte ein Loch hat für den Hutstumpf)? Da könntest Du dann mit einem Rollschneider dran entlangschneiden (Wenn der Rollschneider Filz packt, aber da wäre ich eigentlich ganz zuversichtlich).

Grüßlis,

frieda
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